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Fallstudie · BMW AG

Von der Linienorganisation zur agilen Organisation

Wie eine traditionelle F&E-Abteilung zu einer selbstorganisierten, agilen Teamorganisation wurde – mit besseren Kennzahlen, schnelleren Entscheidungen und einer spürbar positiveren Kultur.

Kundenzufriedenheit, Produktivität, Liefertreue, Qualität und Rentabilität deutlich verbessert

Das FIZ – Forschungs- und Innovationszentrum der BMW Group in München

FIZ – Forschungs- und Innovationszentrum der BMW Group, München

Auf einen Blick

Projekt-Steckbrief

  • Kunde: BMW AG
  • Branche: Automotive
  • Bereich: Forschung und Entwicklung
  • Standort: FIZ – Forschungs- und Innovationszentrum, München
  • Größe: Hautabteilung im FIZ – 220 Mitarbeiter
  • Thema: Agile Transformation, Shopfloor Management, Führungskultur
  • Dauer: 18 Monate
  • Beraterteam: Weert Jacobsen-Kramer, Dr. Andreas Romberg, Dr. Christopher Brüggemann, Matthias Weber

Ausgangslage

Shopfloor Management allein reichte nicht

Das Projekt begann als Einführung von Shopfloor Management. Schnell zeigte sich: Die Standardlösung passte nicht zur Arbeitswelt der Entwicklungsteams – es gab deutliche „Not invented here“-Signale.

Statt gegen diesen Widerstand anzukämpfen, haben wir mit dem Top-Management entschieden, die Energie zu nutzen: Die Teams gestalteten ihre Shopfloor-Boards selbst. Parallel erkannte das Führungsteam, dass die F&E-Organisation sich grundsätzlicher weiterentwickeln muss, um die Anforderungen ihrer Kunden in einer VUCA-Welt zu erfüllen.

Zielbild

Ein duales Betriebssystem: Stabilität und Geschwindigkeit

Das Top-Management entschied sich für eine Mischform aus Wertstromorganisation und agiler Organisation – nach John P. Kotters Idee des dualen Betriebssystems:

Die Linienhierarchie bleibt erhalten und sorgt für Stabilität und die Anbindung an das übrige Unternehmen.

Parallel dazu entwickelt die Hauptabteilung ein neues Kollaborationssystem. Als Grundmodell diente die agile Kreisorganisation.

Interdisziplinäre, dezentrale Wertstromteams entscheiden schnell gegenüber ihren Kunden. Selbstorganisierte Entwicklungsteams unterstützen sie mit tiefergehender Analyse und Entwicklung. Die Rolle der Teamleiter ändert sich – er ist Coach und Mentor von sich selbst organisierenden Kollegen. Die Kollegen können Aufgaben direkt zeitsparend ohne Freigabeprozess durch Teamleiter an andere Teams untervergeben. Eine neue Governance sorgt dafür das die Aufgaben im System effizient abgearbeitet werden.

Grafik: Duales Betriebssystem nach John P. Kotter – links die Linienhierarchie, rechts das agile Netzwerk; einzelne Mitarbeitende arbeiten in beiden Strukturen

Duales Betriebssystem nach John P. Kotter

Grafik: Kollegiale Organisationsstruktur – agile Kreisorganisation nach Bernd Oestereich und Claudia Schröder

Agile Kreisorganisation nach Oestereich / Schröder

Kernelemente der neuen Organisation

  • Klar definierte Wertströme mit identifizierten Kunden
  • Selbstorganisierte, funktions- und bereichsübergreifende Wertstromteams
  • „Repräsentanten“ statt Teamleiter: Sie entscheiden direkt in der Regelkommunikation
  • Koordinationskreise lösen Ziel- und Prioritätskonflikte
  • Rollen statt Funktionen, Entscheidungen per Konsent und Einwandintegration
  • Trennung von disziplinarischer und fachlicher Führung
  • Entwicklungsteams bilden und lösen sich nach Kundenbedarf – ohne langwierige Reorganisation
  • Transparente Leistungssteuerung jedes Kreises über Shopfloor-Management-Boards
  • Führungskräfte der Linie entwickeln sich zu Coaches

Vorgehen

Was wir gemeinsam getan haben

Schritt 1

Organisationsformen reflektieren

Mit dem erweiterten Managementteam: Linienhierarchie, Wertstromorganisation und agile Organisation im Vergleich – und die Entscheidung für eine Mischform.

Schritt 2

Kernwertströme definieren

Ein Projektteam identifizierte vier große Wertstrombereiche und klärte die Schnittstellen nach außen. Der Fokus verschob sich von internen Prozessen zum Kunden.

Schritt 3

Organisation neu gestalten

In Workshops entstand das Betriebsmodell der agilen Organisation, geprüft anhand klarer Kriterien für Organisations-gestaltung.

Schritt 4

Führungskräfte entwickeln

Zweitägige Trainings „Agile Organisation und agile Werkzeuge“ machten Zielbild und Werkzeuge verständlich – die Begeisterung für „Going Agile“ wächst.

Schritt 5

Großgruppen-Workshops

Open-Space- und Barcamp-Formate ohne feste Agenda: Die Teilnehmenden setzten ihre Themen selbst. Alle Themen wurden zu Verbesserungsprojekten – der Durchbruch zur kritischen Masse.

Schritt 6

Teams begleiten

Intensive Teamentwicklung für die neuen Wertstrom- und Entwicklungsteams. Denn Selbstorganisation heißt nicht, Teams sich selbst zu überlassen.

Teilnehmende eines Großgruppen-Workshops im Open-Space-Format

Großgruppen-Workshop: Die Teilnehmenden bestimmen die Themen selbst und entscheiden über wichtige strategische Themen.

Wirkung

Veränderung auf vier Ebenen

Mitarbeitende

Volle Transparenz über Aufgaben und Lieferleistung. Mehr eigene Entscheidungen und Mitarbeit in mehreren Teams.

Führung

Mehr Zeit als Coach. Disziplinierte Führung am Gemba: Regelkommunikation, Entscheidungen, Go & See, Problemlösung, Prozessbestätigung, KVP.

Teams

Teams lösen Ziel- und Prioritätskonflikte selbst – und nutzen Koordinationskreise, wenn es vor Ort nicht gelingt.

Organisation

Angrenzende Bereiche werden einbezogen. Das neue Arbeitssystem breitet sich aus, weil es wirksamer ist – ein Kulturwandel im ganzen Unternehmen.

Für das Top-Management heißt das: Schnellere Entscheidungen im System erfordern häufigeren Strategieabgleich – zwei Workshoptage zu Jahresbeginn für Vision und Jahresziele, dazu ein Tag pro Quartal. Nach dem Grundsatz „eng abgestimmt und lose gekoppelt“.

Ergebnis

Der Aufwand hat sich gelohnt

Starke Verbesserung in allen Leistungskennzahlen: Kundenzufriedenheit, Produktivität, Liefertreue, Qualität und Rentabilität.

Dazu ein deutlicher Schub in der Motivation – und eine positive Unternehmenskultur. Eine agile Organisation gibt es nicht umsonst: Sie braucht fortlaufende Investition in Kooperation und Teamarbeit.

Transformation in die agile Wertstromorganisation

Benchmark-Projekt „Agile Organisation in der Produktentwicklung“ · BMW AG, Forschung und Entwicklung, 220 Mitarbeitende

Balkendiagramm Ergebnisse vorher und nachher: Durchlaufzeit von 100 auf 50, Termintreue von 5 auf 95, Durchsatz von 10 auf 50, Meetingzeit von 100 auf 80, Management-Rollen von 100 auf 50, Budget von 100 auf 80, KPIs von 100 auf 120

Kennzahlen vorher und nachher

Herausforderung

  • Bürokratische Prozesse
  • Wenig Wertschöpfung
  • Zieltermine werden nicht gehalten
  • Silodenken
  • Zu hohe Kosten

Ziele

  • Entwicklung einer schlanken Organisation
  • Höhere Produktivität
  • Schlankere Prozesse
  • Halten der Zieltermine
  • Kostenreduktion

Stimme des Kunden

„Weert hat uns bei der agilen Transformation meines Bereichs unterstützt. Ohne seine Fähigkeiten und seine Fähigkeit, Menschen für das Thema zu begeistern, hätten wir es wahrscheinlich nicht geschafft, vom agile zum being agile zu kommen. Letztendlich ist er einer der besten agilen Coaches, die ich kenne!“

Barbara Schweikert, BMW AG

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Ausführlicher Projektbericht im Blog: Transformation in eine agile Organisation