Das Transformation Office: Gesamtprojektsteuerung und Steuerung des Digitalinvestments – kurzfristig transform the core (Lean Transformation), mittelfristig grow the core (Agile Transformation), langfristig grow the new (Digital Transformation)

Digital Transformation Office: So gelingt der Wise Pivot

Digitalisierung scheitert selten am Geld, sondern an der Steuerung. Viele Unternehmen starten Pilotprojekte, kaufen Software und gründen Innovationslabs – doch die Initiativen laufen nebeneinander her, konkurrieren um dieselben Budgets und verlieren das Kerngeschäft aus dem Blick.

Zwei Bausteine machen den Unterschied: eine zentrale Steuerung aller Transformationsinitiativen – das Transformation Office – und eine intelligente Allokation der Investitionsbudgets. Erst beide zusammen sorgen dafür, dass aus vielen Einzelmaßnahmen eine wirksame Transformation wird.

Genau diese beiden Bausteine verbindet der Wise Pivot: Das Unternehmen stärkt sein Kerngeschäft und finanziert daraus den Weg ins Neue. Dieser Beitrag zeigt, wie ein Transformation Office diesen Schwenk plant, steuert und messbar macht.

Was ist ein Transformation Office?

Ein Transformation Office ist eine kleine, schlagkräftige Steuerungseinheit direkt an der Geschäftsführung. Es plant und steuert alle Transformationsinitiativen als ein Gesamtprogramm – und lenkt das Digitalinvestment dorthin, wo es die größte Wirkung entfaltet. Damit leistet es zweierlei:

  • Gesamtprojektsteuerung: Es bündelt Projekte, Abhängigkeiten, Ressourcen und Risiken in einem Portfolio und schafft Transparenz für die Geschäftsführung.
  • Steuerung des Digitalinvestments: Es entscheidet mit, welches Budget in die Effizienz des Kerngeschäfts, in dessen Wachstum und in neue Geschäftsmodelle fließt.

Ein klassisches PMO verwaltet Projekte. Ein Transformation Office verantwortet Wirkung: Es misst, ob Initiativen Kosten senken, Wachstum erzeugen oder neue Umsätze eröffnen, und schichtet Budgets um, wenn sie das nicht tun. Zudem verbindet es Fachbereiche, Fachexperten und Mitarbeitende, damit die Transformation nicht in Silos stecken bleibt.

Der Wise Pivot: drei Horizonte, ein Programm

Der Wise Pivot beschreibt den klugen Schwenk ins Neue, ohne das Bestehende zu vernachlässigen. Accenture hat dafür 2018 rund 1.440 Top-Manager in 12 Ländern befragt (Make Your Wise Pivot to the New). Nur rund 6 % der Unternehmen gelang der Schwenk vorbildlich; sie stärkten zuerst ihr Kerngeschäft und finanzierten daraus neue Geschäfte.

Das Transformation Office: kurzfristig transform the core (Lean Transformation), mittelfristig grow the core (Agile Transformation), langfristig grow the new (Digital Transformation)

Das Transformation Office übersetzt dieses Prinzip in drei Zeithorizonte:

  1. Kurzfristig – transform the core: Prozesse verschlanken, Verschwendung abbauen, Kosten im Kerngeschäft senken. Das freigesetzte Geld und die freie Kapazität bilden das Investitionsbudget für die nächsten Schritte.
  2. Mittelfristig – grow the core: Das Kerngeschäft wird schneller und kundennäher. Agile Teams entwickeln Produkte und Services weiter und erschließen neue Kundensegmente.
  3. Langfristig – grow the new: Neue, digitale Geschäftsmodelle entstehen in der Cybersphere – getestet mit der Lean-Startup-Methode und als Portfolio gesteuert, damit ein kontinuierlicher Fluss an Geschäftsmodellen entsteht.

Wichtig: Die drei Horizonte laufen parallel, nicht nacheinander. Der Unterschied liegt in der Gewichtung des Budgets und der Zeit bis zur Wirkung.

Intelligente Budgetallokation: Die Transformation finanziert sich selbst

Der Kern des Wise Pivot ist ein Finanzierungskreislauf: Einsparungen im Kerngeschäft bezahlen Wachstum und Neugeschäft. Das Transformation Office macht diesen Kreislauf sichtbar und steuerbar.

HorizontBudgetzielTypische Kennzahlen
transform the coreKosten senken, Kapazität freisetzenDurchlaufzeit, Prozesskosten, Produktivität
grow the coreAusbau und Wachstum im KerngeschäftUmsatzwachstum, Kundenzufriedenheit, Time-to-Market
grow the newInvestition in neues GeschäftValidierte Experimente, Umsatzanteil neuer Geschäftsmodelle

In regelmäßigen Portfolio-Reviews prüft das Transformation Office, welche Initiativen ihre Ziele erreichen. Was nicht wirkt, wird gestoppt; das Budget fließt in die vielversprechendsten Vorhaben. So wird aus vielen Einzelprojekten ein gesteuertes Investitionsportfolio.

Lean, Agile, Digital: drei Transformationen als ein Programm

Jedem Horizont lässt sich ein Transformationsansatz zuordnen. Das Transformation Office sorgt dafür, dass die drei Ansätze ineinandergreifen, statt miteinander zu konkurrieren.

  • Lean Transformation (transform the core): Wertstromanalyse, Makigami und Shopfloor Management machen Verschwendung sichtbar und schaffen die Effizienzgewinne, die alles Weitere finanzieren.
  • Agile Transformation (grow the core): Agile Teams, OKR und selbstorganisierte Kreise beschleunigen Entscheidungen und bringen das Kerngeschäft näher an den Kunden. Wie das konkret aussieht, zeigt unser Agile Transformation Benchmark-Projekt.
  • Digital Transformation (grow the new): Co-Kreation mit Kunden und Partnern, digitale Distributionswege und die Lean-Startup-Methode bringen neue Geschäftsmodelle schnell an den Markt.

Die Reihenfolge hat einen Grund: Wer schlanke Prozesse und agile Teams hat, kann neue Geschäftsmodelle schneller testen und skalieren. Und neue Geschäftsmodelle verändern wiederum die Kultur im Kerngeschäft.

In 6 Schritten zum Transformation Office

  1. Mandat klären: Die Geschäftsführung beauftragt das Transformation Office und gibt ihm Entscheidungsrechte über Prioritäten und Budgets.
  2. Ausgangslage erheben: Alle laufenden Initiativen, Budgets und Abhängigkeiten werden in einem Portfolio erfasst.
  3. Horizonte zuordnen: Jede Initiative wird transform the core, grow the core oder grow the new zugeordnet – Lücken und Doppelungen werden sichtbar.
  4. Kennzahlen festlegen: Pro Horizont werden wenige, messbare Ziele definiert, etwa Prozesskosten, Wachstum oder validierte Experimente.
  5. Steuerungsrhythmus etablieren: Feste Portfolio-Reviews, visualisiert im Shopfloor Management, sorgen für schnelle Entscheidungen.
  6. Menschen mitnehmen: Kommunikation, Training und Beteiligung der Mitarbeitenden machen aus dem Programm eine gemeinsame Bewegung.

Ein Transformation Office muss nicht groß sein. Oft reichen zwei bis vier Personen mit klarem Mandat, die eng mit der Geschäftsführung und den Bereichsverantwortlichen zusammenarbeiten.

Fazit

Der Wise Pivot gelingt nicht durch mehr Projekte, sondern durch bessere Steuerung. Ein Transformation Office verbindet Lean, Agile und Digital zu einem Programm, finanziert das Neue aus dem Kerngeschäft und lenkt das Digitalinvestment dorthin, wo es wirkt.

Experteninterview: Neue Geschäftsmodelle in der Cybersphere

„Viele Unternehmen und Unternehmer haben die Digitalisierung in ihrer Tragweite noch nicht verstanden!“, sagt Uwe Weinreich. Er ist seit 1995 als digitaler Entrepreneur aktiv, außerdem Buchautor und Berater. Im Gespräch mit Weert Jacobsen-Kramer erklärt er, warum das Transformation Office und eine kluge Budgetallokation für den digitalen Wandel so wichtig sind.

Das Interview wurde 2020 aufgezeichnet – und ist aktueller denn je. Mit dem KI-Hype um ChatGPT ist die volle Tragweite der Digitalisierung im Mainstream angekommen; die Prinzipien, die Uwe Weinreich beschreibt, gelten bis heute.

Beim Abspielen wird eine Verbindung zu Vimeo hergestellt.
Experteninterview Uwe Weinreich & Weert Jacobsen-Kramer

Die Themen des Interviews:

  • Zwei Phasen der Digitalisierung: Die erste Phase war die Computerisierung der Welt, die zweite ist die Entstehung neuer Geschäftsmodelle in der Cybersphere.
  • Networked Economy: Unternehmen nutzen Netzwerke und Plattformen, um ihre Produkte und Dienstleistungen anzubieten.
  • Chance für den Mittelstand: Die Cybersphere eröffnet neue Zielgruppen und Geschäftsmodelle – entwickelt und getestet mit der Lean-Startup-Methode und in Co-Kreation mit Kunden und Partnern.
  • Business-Modell-Portfolio: Ein kontinuierlicher Fluss neuer Geschäftsmodelle statt einzelner Großprojekte.
  • Vier Kernelemente neuer Geschäftsmodelle: Strategie, Produkte und Services, digitale Distributionswege und die interne Veränderung des Unternehmens.
  • Digital bzw. Transformation Office und intelligente Budgetallokation: Kosten im Kerngeschäft senken, das Kerngeschäft ausbauen und in neues Geschäft investieren – genau der Wise Pivot, den dieser Beitrag beschreibt.

Zum Nachhören: Podcast: Digitalisierung – Neue Geschäftsmodelle der Cybersphere (ca. 33 Minuten)

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